5.23   Black Goo aus Afghanistan

1975 beschloss ich nach Indien zu reisen.

Ich hatte einige Reiseberichte von ehemaligen Hippies gelesen, und das hatte mich neugierig gemacht. Ich wollte auch die wundersamen Plätze kennenlernen, von denen so abenteuerlich berichtet wurde. Mit dem Jahresurlaub von zwei Jahren, einem Tragegestell für den Schlafsack, und vielen Landkarten, zog ich Anfang April los, Richtung Istanbul. Da ich auf öffentliche Verkehrsmittel verzichten wollte, dauerte diese kurze Strecke per Autostopp drei Wochen, meiner viel zu kurz bemessenen Zeit.

In Istanbul angekommen, nächtigte ich in einem dieser Billighotels und suchte am nächsten Morgen den ersten wichtigen Treffpunkt der Hippies auf, den Lale Puddingshop.

Hier traf sich alles, was von Indien kam oder dahin wollte. Ich hoffte auf eine Mitfahrgelegenheit in einem dieser Freakbusse, die von Amsterdam bis New-Delhi durchfuhren. Hier lernte ich auch Paul kennen, eine sehr dünne Gestalt von vielleicht Zwanzig Jahren, die sich selbst „Paulchen Panther“ nannte. Er stammte aus Österreich und war wieder einmal auf dem Weg nach Indien. Aber er hing fest, denn er war pleite. Das traf sich gut, hatte ich doch schnell bemerkt, dass man ohne Englischkenntnisse nicht durch fremde Länder reisen sollte. Wir machten einen Deal. Ich würde seine Reise mitfinanzieren und er würde mich dafür bis ans Ziel bringen.

Wir besorgten uns Bahntickets bis Erzurum. Dann weiter mit dem Bus nach Mashhad, im damaligen Persien. Hier bekamen wir dann auch das Visum für Afghanistan. Schon eine Woche später erreichten wir Kabul, wo ich in „Siggi’s Restaurant“ Quartier bezog.

Als ich 1975 in Afghanistan weilte, war ich gerade Nichtraucher. Eigentlich war ich auf dem Weg nach Indien, aber in Kabul kann man schon mal hängen bleiben. Die Massen an Drogen, die von den Touristen verkonsumiert wurden, interessierten mich eigentlich nicht wirklich. Echte Hippies gab es zu dieser Zeit nur noch selten, aber als Freak und Möchtegern-Hippie, wohnte man in der Chicken-Street, bevorzugt in Sigis Restaurant. Lange kann man sich dem Genuss von Haschisch in Kabul nicht entziehen. Fast jeder, der hier auf der Durchreise von oder nach Goa war, hatte sich mit Unmengen davon eingedeckt, und keiner rauchte alleine. Der Joint ging ständig herum. Ich stellte keine große Wirkung fest, erinnere mich aber noch an einen Abend im Hotel, als wir Skat spielten, und ich nach ungefähr dem zehnten Spiel noch alle Karten und Züge vom ersten Spiel wusste.

Meistens hielt ich mich aber aus dem Haschisch rauchen raus und sagte, ich hätte schon und sei angenehm high. Es gab noch jede Menge anderer Drogen, vom Opium das man als Kügelchen schluckte, bis zum Heroin, dafür brauchte man aber ein Fixer-Besteck. Nichts von alledem habe ich zu irgendeiner Zeit zu mir genommen. Dafür hatte ich viel zu viel Angst, ich könnte dabei draufgehen. Beispiele dafür hatte ich genug gesehen, auf meinem Trip. Irgendwann hatte jemand Haschisch-Öl besorgt und schwärmte so davon, und alle mussten das testen.

Einer der Hippies, denen ich begegnete, unterschied sich enorm von dem Rest der Meute. Auf den ersten Blick dachte ich, er wäre Afghane. Nicht nur seine Kleidung war einheimisch, auch seine Haut war dunkel und er sprach sehr gut Urdu, die dort gebräuchliche Umgangssprache. Er lebte schon einige Zeit hier, und wollte unbedingt zu den Reiterspielen, zu denen man nicht unbedingt eingeladen wurde, wenn man Tourist war.

Eines Tages erschien er mit einer dunklen Flüssigkeit, die er in einem Kondom aufbewahrte. Es sei Haschisch-Öl der besten Sorte und ein Tropfen davon würde mich Dinge sehen lassen, die ich nicht glauben würde, wenn er mir nur davon erzählen würde. Das Öl wurde auf eine Zigarette geträufelt, ganz vorsichtig damit nichts an die Hände kam, es würde sonst sofort durch die Haut im Körper verschwinden und sehr unangenehme Wirkungen produzieren. Ich nahm nur einen Zug von der so präparierten Zigarette.

Die Wirkung war dann auch, als ob man mit dem Katapult abgeschossen wird. Ich saß und wollte aufstehen, und irgendeine Kraft riss mich nach oben. Ich wollte gehen und irgendetwas bewegte mich durch die Straßen, ich war nur noch Passagier in meinem eigenen Körper. Ich fühlte nicht mehr wirklich die Welt um mich, aber wenn ich die Richtung ändern wollte passierte es einfach nicht. Ich ging wie auf Wolken. Irgendwie zog es mich in die Altstadt, die ich mir wohl ansehen sollte, obwohl es hier einige Teehäuser gab, die man besser nicht betrat als Tourist, schon gar nicht allein.

Kabul liegt in einem Tal, eingeschlossen von hohen Bergen, nur zur Wüste hin offen. Die Altstadt liegt am Hang und je höher ich stieg, umso enger wurden die Gassen. Durch die Wirkung des Öls, sah ich den Schmutz und Dreck viel intensiver. Touristen waren hier gar nicht mehr anzutreffen, nur noch Einheimische mit Turban und Burkas.

Ich kam auf einen Platz, der umschlossen von Geschäften und Teehäusern war, und als ich mich umschaute, konnte ich den Zugang, von dem ich herkam, nicht mehr entdecken. Ich schaute in die tiefgebräunten Gesichter der Einheimischen und erstarrte. Das waren keine Gesichter von Menschen. Das, was ich sah glich Tierköpfen, krokodilartigen Echsenköpfen, die mich anstarrten und auf mich einredeten. Ich verstand kein Wort! Ja, ich vernahm noch nicht einmal einen Laut, es herrscht eigenartige Stille.

Ich merkte nur, dass ich hier nicht willkommen war. Ja, ich verspürte, wie es mir gleich unwiederbringlich an den Kragen gehen würde. Ich suchte verzweifelt nach einem Ausgang, der mich weg von diesem Platz bringen würde, aber ich wurde umringt von Gewändern mit hässlichen Echsenköpfen, die nun auch noch nach mir schnappten. Ich war wohl zu tief in den Kaninchenbau gekrochen, um hier wieder heil herauszukommen.

Das Leben raste an meinem geistigen Auge vorbei. Erinnerungen die ich längst vergessen hatte, wurden neu erlebt und beurteilt. An einer Seite des dichtbebauten Platzes, entdeckte ich das einzige Grün, in all den dreckigen Grau; ein Stück Rasen oder Wiese. Auf ihm saß ein zerlumpter Mann, der mich regungslos anstarrte, und, sein Gesicht war das eines Menschen. Ich schaute mich um, überall die hässlichen Fratzen von Echsen, und da das Gesicht des Bettlers. Er deutete mit dem Arm in eine Richtung, und ich folgte seinem Hinweis und sah eine Lücke, in dem Gewirr aus Shops und feilgebotenen Waren davor. Sofort bewegte ich mich auf diesen Ausgang zu und beschleunigte meinen Gang, und ohne mich noch einmal umzusehen, gönnte ich mir keine Pause, bis ich mein Hotel erreicht hatte.

Nie konnte ich später diese Geschichte jemand erzählen, ohne den Rat zu hören sich behandeln zu lassen. Nur ein ehemaliger Drogenabhängiger meinte, dass das verdammt guter Stoff gewesen sein muss. Leider sah ich den geheimnisvollen Hippie nie wieder, um mich mit ihm auszutauschen, welche Erfahrungen er mit dieser Flüssigkeit gemacht hatte.

Bis Dato dachte ich also, dass alle Drogen so funktionieren, und ich hütete mich davor, je wieder zu einer zu greifen. So etwas wollte ich nie wieder erleben. Heute, vierzig Jahre später, weiß ich, dass dieses vermeintliche Haschisch Öl mein erster Kontakt mit Black Goo war, und zwar eins von der miesesten Art. Als das Zeug in meine Lungen eintrat, hatte es mich sofort übernommen und in eine andere Bewusstseinsebene geschleudert, ohne mich zu fragen. Ich sah die Welt mit seinen Augen, und mir wird klar, dass wir jeden Tag diese Parallelwelt um uns herumhaben, ohne sie zu sehen. Ja, wir können sie manchmal erahnen. Aber falls wir davon berichten wollen, dann schreibt uns der gute Onkel Doktor ein paar Pillen auf, die uns wieder in die Wirklichkeit unserer Umwelt zurückholen, und falls es nicht besser wird, erhöht er eben die Dosis.

Als 1979 die Russen nach Afghanistan eindrangen, galt ihr Interesse vermehrt der seltenen Erde, dem Ölschiefer in dem sich Black Goo befindet. Ohne diesen heißbegehrten Stoff, wäre die ganze Nanotechnik gar nicht möglich. Die ganze Welt zeigte ein zunehmendes Interesse, an dem ärmsten Land der Welt, wie Afghanistan auch genannt wird. Ein Land fernab ohne Anbindung an einen Seeweg, nur Wüste und Hochgebirge, in denen sich seit tausenden Jahren die einheimischen Stämme bekämpften und ausplünderten, das Land der Echsen.

Getarnt mit Turban und Pluderhosen, zumeist einen Mundschutz vor dem Gesicht, sind sie so vermummt, dass sie auf den ersten Blick wie Menschen aussehen.

Die Frauen verstecken sich in Burkas und sind so für das menschliche Auge unsichtbar. Die Männer tragen Jacken oder Pullover mit viel zu langen Ärmeln um ihre Arme und Hände zu verstecken.

Man sieht sie nie arbeiten. Sie sitzen im, oder vor dem Teehaus, und rauchen ihre Schischas, und es geht ihnen am Arsch vorbei, wie dreckig und zerfallen die Umgebung um sie herum ist. Sie sonnen sich. Natürlich gibt es auch menschliche Wesen in Afghanistan, die auch arbeiten und die Märkte bevölkern. Diese werden aber mehr nur als Sklaven gehalten, um Nahrung zu produzieren, so wie wir weltweit nur als Sklaven schuften, ohne zu begreifen, was um uns herum abläuft.

Nun hat weder das Großrussische Reich, noch die eine Elite, die in der USA ansässig ist und sich Weltpolizei nennt, es je geschafft das Land der Echsen zu beherrschen, noch deren Bodenschätze auszuplündern. Aber der Geheime Krieg gegen die Echsen ist in vollem Gange. Uns wird etwas von Osama bin Laden und Taliban vorgelogen, aber ein Kampf, Mann gegen Echse ist aussichtslos.

Die Anspruchslosigkeit mit der diese seltsamen Biester überleben können, und den Riesenaufwand an Komfort, den die menschlichen Soldaten benötigen, lässt jeden Stellungskampf aussichtslos erscheinen. Nun wird dieser Kampf aus der Luft geführt. Bewaffnete Drohnen, die aus Las Vegas und Rammstein ferngesteuert werden, schießen alles ab, was nach Echse aussieht.

Es ist mir nicht bekannt, dass die Echsen je die Menschen angegriffen hätten, bevor die Plünderer Ihr Land überfielen. Zur Zeit der ersten Hippies, in den späten 60. und frühen 70. Jahren, waren die Afghanen sehr gastfreundlich und nicht rassenfeindlich gesinnt, obgleich einige Hippies schon recht seltsam aussahen und sich auch nicht immer gut benahmen. Warum sich die USA nun in den Krieg geworfen hat, um gegen die Echsen zu kämpfen, kann nur bedeuten, dass auch sie zu einer Spezies gehören, die nicht unbedingt menschlich sind.

Die Afghani Pumphose, auch Haremshose genannt, lässt genügend Platz für den Echsenschwanz. Es ist leicht vorstellbar, dass sich hinter diesen Gewändern alles Mögliche verstecken könnte.

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