6.30   Wie Parasiten uns steuern

Wer hat die Kontrolle

Ein großer Teil unseres Gehirns wird eigenständig zum verwalten des Körpers benötigt, und wir haben darüber so gut wie keine Kontrolle. Während unser Teil des Gehirns mit den Sinnesorganen wie Augen, Ohren. Nase und Haut kommuniziert, ist das Rückenmark jederzeit mit allen Organen im Körper verbunden und nutzt das Blut als ausführendes Organ.

Der Teil des Gehirns, welches uns unsere Existenz vorgaukelt, ist die einzige Verbindung zu unserm Selbst, ohne dessen wir die Welt, so wie wir sie sehen, nicht wahrnehmen könnten. Mit diesem Gehirn beschützen wir zum einen unsern Körper, was hin bis zur ungesunden Selbstsucht führen kann. Auf der Andern Seite riskieren wir aber auch alles, sei es aus Liebe zu einem Etwas oder einzig für einen kurzen Kick.

Ganz anders der Körper. Er ist nur für das Wachstum und den Erhalt zuständig. Er hat keine Ahnung von der Welt wie wir sie sehen und den Aufgaben mit denen wir uns beschäftigen. Aber er wird beeinflusst und gesteuert von unseren Gefühlen und reagiert entsprechend mit Hormonschüben. Auch lernt er unsern Teil des Gehirns zu beeinflussen, wenn er einen Mangel feststellt.

Wenn der Körper zum Beispiel feststellt er benötigt Eiweiß und kann keines in der Nahrung finden, dann produziert er Bilder von eiweißhaltiger Nahrung in unser Gehirn, kombiniert mit einem übertriebenen Hungergefühl. Wir machen uns schnell eine Zwischenmalzeit und sind am nächsten Tag der festen Überzeugung, dass wir doch gar nichts gegessen haben. Nur die Waage singt ein anderes Lied.

Der innere Schweinehund

Wenn uns also die Kontrolle entgleitet, spricht der Volksmund sehr negativ von dem inneren Schweinehund den es zu besiegen gilt. Der innere Schweinehund ist aber sehr wichtig, da er als Einziger beurteilen kann was unser Körper benötigt und was ihm fehlt. Bekommt er es nicht, reagiert er mit Hormonschüben die von Lustlosigkeit bis zu starken Phantomschmerzen reichen können. Hat er einmal Erfolg mit einer dieser Methoden, speichert er das ab, und benutzt es bei jeder Gelegenheit auf erpresserischer Art, bis seinen Wünschen nachgekommen wird. So kann diese nützliche Einrichtung auch zu einem unerwünschten Verhalten führen.

Hat der Körper die ersten Erfahrungen mit Drogen oder Alkohol gemacht, und hat das als für sich gut abgespeichert, dann will er es regelmäßig haben. Dabei ist ihm jedes Mittel recht, und lässt sich auch jede Ausrede dazu einfallen. Dabei reagiert er in Ausnahmefällen manchmal sogar mit Schmerzen die bis ins unerträgliche steigen können.

Also noch einmal. Der Körper stellt Mängel fest, zum Beispiel es fehlen ihm Minerale oder Vitamine, und so produziert er ständig Bilder von Nahrung in unser Gehirn, von der er vermutet, dass es diese Mängel abdecken könnte. Dazu sendet er übertriebene Hungergefühle. Deutlich wird das bei schwangeren die Sahnetorte mit Hering verschlingen wollen.

Übergewicht

Die Bevölkerung der reichen Länder bewegt sich zu wenig, und leidet an Übergewicht. Angeblich hat bisher noch nicht ein Wissenschaftler die leiseste Idee einer Ahnung, wie man das Problem lösen könnte. Aber Lösungen werden in Tresoren weggesperrt, denn mit Diäten und Fitness-Centern lässt sich so viel mehr verdienen. Und nach jeder Diät hat der Körper gelernt, er muss mehr Fett ansammeln als Reserve, falls wieder so eine magere Zeit des Mangels, sprich Diät, auf ihn zukommt. Der berühmte Jo-Jo–Effekt.

Das Problem

Du hast den ganzen Tag gearbeitet, dich richtig ernährt und genügend gesunde Flüssigkeit zu dir genommen. Du kommst nach Hause um dich auszuruhen. Alles wäre in bester Ordnung, der Körper ist versorgt und kann regenerieren. Da taucht das Bild von einem schönen Glas Rotwein auf, gleich mit einer wunderbaren Erklärung:  “Es war ein harter Tag heute, und das haben wir uns nun aber wirklich verdient.“

Du reagierst nicht darauf, du musst nachher noch Auto fahren. Eine echte Ausrede die akzeptiert wird, also Angriff erfolgreich abgeschmettert. Du reagierst nicht darauf, und sagst nur:  “Jeden Abend saufen schadet der Gesundheit”. Schon kommt das Gegenargument: “Ach ein Glas schadet nicht, Rotwein ist gut für die Gesundheit”. Gleichzeitig wird ein leichter Schmerz versendet, je nachdem wie der Körper es gelernt hat ans Ziel zu kommen. Später dann, wenn nach dem dritten Glas die Hemmschwelle gefallen ist, kommen die Fressattacken. Das reicht von der Notwendigkeit ausgehend, die Tüte Gummibärchen muss jetzt vernichtet werden, bis hin zu, jetzt brate ich mir noch schnell ein Schnitzel, damit ich heute Nacht gut schlafen kann.

Dass das Gegenteil der Fall war merken wir dann am nächsten Morgen. Alte Vorsätze in neuer Lautstärke werden gefasst, nie wieder Alkohol, nie mehr nach 18 Uhr essen. “Wetten doch”, sagt der Körper”, ich kriege schon was ich will”.

Die Lösung

Die Lösung liegt hier eindeutig in einer Umerziehung des Ganzen, doch keine Selbstdisziplin reicht aus, um mit einem quengelnden Körper schlagartig fertig zu werden. Das wäre wie ein kalter Entzug. Und sobald die Selbstdisziplin nachlässt hat der Körper wieder Oberhand, und noch etwas dazugelernt. Hier hilft nur dem inneren Schweinehund eine Ersatzbelohnung anzubieten, oder einen Deal zu machen der folgendermaßen aussehen könnte.

Ich wiege mich jeden Morgen und halte das in einer Tabelle fest. Sollte das Gewicht tiefer sein als am Vortag gibt es ein Glas Rotwein nachdem ein Glas Wasser getrunken wurde. Solltest du mir Schmerzen senden Körper, dann gibt es eine Schmerztablette und da darf man ja keinen Alkohol drauf trinken. Das Problem dabei ist aber nun das Wissen, das eine Schmerztablette schädlicher für die Leber ist als das Glas Wein.

Auch der Vorsatz, Essen nach 18 Uhr wird ganz gestrichen bis ein Gewicht von XX Kg erreicht ist, wird ein Kampf der zur Tortur werden kann. Es steht außer Frage, dass nichts auf Anhieb klappen wird, aber jeder Tag ist ein neuer Start, bis der Körper langsam akzeptiert wer Chef ist.

Bakterien und Parasiten

Die Hauptaufgabe der Bakterien im Darm ist es, Stoffe umzuwandeln in etwas, das für den Körper nutzbar ist. Ohne bestimmte Darmbakterien, ohne die bakterielle Lebensgemeinschaft, ginge viel von unserer Nahrung als nicht verwertbar verloren. Im Verdauungstrakt unterscheiden wir grob zwei Arten von Bakterien: Die gesundheitsschädigenden, fäulnisbildenden Bakterien, die unter dem Namen Kolibakterien bekannt sind und die gesundheitsförderlichen, freundlichen Bakterien Probiotika zu denen neben vielen anderen Bakterienstämmen auch die Laktobakterien und Bifidobakterien zählen.

Für viele Parasiten aber ist der Mensch ein äußerst nützliches Wirtstier. Er sichert ihnen Nahrung und Unterschlupf an vielen Stellen im Körper, in der Haut, im Auge, in der Lunge oder im Gehirn. Auch im Darm können sich zahlreiche Kleinstlebewesen ansiedeln, vor allem Würmer und Einzeller wie Amöben und Lamblien.

Per Anhalter durch die Gedärme

Es gibt einen Wurmparasiten, den Bandwurm Schistocephalus solidus, der gehört zu den raffiniertesten Manipulatoren, die die Natur hervorgebracht hat. Sein Lebenszyklus beginnt im Wasser, wo er als winzige Larve umherschwimmt, um von einem Ruderfußkrebs gefressen zu werden. Im Darm angelangt, bohrt er sich ins Leibesinnere. Doch der kleine Krebs ist nur die erste Station im Lebenszyklus des Parasiten. Er beginnt zu wachsen und erreicht nach rund zwei Wochen die richtige Größe, um seinem Wirt zu wechseln. Er legt einen chemischen Schalter um, und der zurückhaltende Krebs wird plötzlich zu einem Draufgänger und damit zur leichten Beute für Fische.

Der Krebs muss von einem Stichling gefressen werden, dessen Darm ist das Ziel des Wurmes. Wieder bohrt er sich in die Leibeshöhle. Über seine Hautoberfläche nimmt er Nahrung auf, über Wochen oder Monate wächst er heran. Dann will er weiter. Der Wurm schaltet deshalb den Fluchtreflex des Fisches aus. Für Vögel sind infizierte Stichlinge leichte Beute, und dann hat der Bandwurm sein Ziel erreicht. Im Darm des Vogels paart sich der zwittrige Parasit mit einem Artgenossen und legt dort Eier ab. Über den Kot gelangen diese zurück ins Wasser, wo dann die nächste Generation von Bandwurmlarven hofft, von einem Krebs gefressen zu werden.

Wie Parasiten uns steuern

Toxoplasmose oder Toxoplasma gondii ist der am weitesten verbreitetste Parasit der Welt. Entdeckt wurde er erstmals 1907 in Tunesien. Jeder dritte Mensch ist bereits mit ihm infiziert, in Deutschland sogar jeder Zweite. Seine Hauptwirte sind Katzen, und nur in ihnen kann er sich vermehren. Andere Tiere wie Mäuse, Vögel, aber auch Menschen, werden nur als Vehikel benutzt, um von einer Katze zur nächsten zu gelangen.

Da Mäuse naturgemäß Angst vor Katzen haben, wendet der Parasit einen Trick an, um zum Ziel zu gelangen. Einmal im Körper des Wirtes angelangt, verschanzt er sich in der Leber und im Gehirn seines Opfers, um von dort seinen Terrorfeldzug anzutreten. Infizierte Mäuse fühlen sich nahezu magisch angezogen vom Geruch einer Katze und laufen ihr direkt in die Pfoten.

Im Gehirn des Menschen richtet der Parasit auch großen Schaden an, da er seinen Wirt zu einer Steigerung der Risikobereitschaft bringt. Gepaart mit einer Abnahme der Reaktionsfähigkeit ist die Wahrscheinlichkeit, in einem Autounfall verwickelt zu werden, für Infizierte mehr als zweieinhalb Mal höher. Die Risikobereitschaft seiner Opfer ist für den Parasiten deshalb wichtig, da auch einst der Mensch zu den Beutetieren von Großkatzen gehörte.

So, wir ernähren also nicht nur unsern Körper, sondern sind Vorratslager für all die unsichtbaren Monster die in uns sitzen und uns steuern, und nach der Sorte Nahrung verlangen die für sie von Vorteil ist, meistens auf Kosten unseres Körpers.

Doch wie kann ein Wurm seinen Wirt steuern? Wenn das Gehirn nur eine Maschine ist, dann kann sie von jedem Wesen kontrolliert werden, das den Code versteht und Zugang zur Maschinerie hat. Diesen Zugang haben viele Parasiten. Sie siedeln sich bevorzugt im Gehirn an, weil das Immunsystem des Wirts sie dort nicht bekämpfen kann, ohne das Gehirn selbst zu gefährden. Und der Code? Das ist reine Chemie, schließlich gibt es ja keine Schalter und Hebel, an die sich der Parasit einfach setzen kann.

Gefahren der Gentechnik

Zu den bisher bekannten Gefahren zählen:

  • Neue Toxine und Allergene in der Nahrung
  • Andere zerstörerische Wirkungen auf die Gesundheit durch unnatürliche Nahrung
  • Verstärkter Einsatz von Chemikalien in der Landwirtschaft, daraus folgend verstärkte Vergiftung von Wasser und Nahrung
  • Erzeugung von herbizidresistentem Unkraut
  • Ausbreitung von Krankheiten über Artgrenzen hinweg
  • Verlust der Vielfalt in der Biosphäre
  • Störung des ökologischen Gleichgewichts

Künstlich erzeugte Eigenschaften und unvermeidbare Nebenwirkungen werden an alle folgenden Generationen und an artverwandte Organismen weitergegeben. Einmal freigegeben, können sie niemals zurückgeholt oder isoliert werden. Die Folgen sind unabsehbar.

Genmanipulierte Nahrungsmittel umfassen: Tomaten, Kürbis, Hefe, Getreide, Kartoffeln und Sojabohnen (Soja wird in 60% aller Lebensmittel verarbeitet: Brot, Teigwaren, Bonbons, Eis, Torten, Kekse, Margarine, Fleischprodukte und vegetarischer Fleischersatz). Genetisch veränderte Organismen werden ebenfalls benutzt, um Käse und Rapsöl (Canola-Öl) zu produzieren. Doch damit stehen wir erst am Anfang. In einigen Jahren wird es fast unmöglich sein, noch natürliche Nahrung zu finden.

Man kann fast zu der Annahme kommen, dass es noch weit gefährlichere Parasiten gibt; die uns bewohnen und uns manipulieren diese künstliche Nahrung allein für ihren Bedarf herzustellen.

Die Vorstellung, dass winzige einzellige Lebewesen, kleinste Parasiten unserem Organismus bevölkern, infizieren und dadurch sogar unser Verhalten, und unsere Persönlichkeit verändern. Dass sie uns steuern und kontrollieren könnten, uns vielleicht sogar dazu bringen Selbstmord zu begehen. Das alles hört sich an wie aus einem Science-Fiction Roman.

Die Wirklichkeit jedoch ist davon gar nicht weit entfernt.

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