3.9   Der Guru in dir  

„Sehnsüchtig grüßt der, der ich bin, den, der ich sein könnte“

Fjodor M. Dostojewski

Wenn wir geboren werden haben wir Null Peilung. Um also zu überleben sind wir gezwungen uns an unserer Umwelt zu orientieren, alles was wir hören in uns aufzusaugen, und uns anzupassen. Tief in unserm Inneren schlummert aber die komplette Blaupause der wahren Weltordnung. Schon ein Kontakt der Mutter mit dem Säugling, in dem die Mutter nicht gut drauf ist, bringt die wahre Weltordnung des kleinen Neuankömmlings so durcheinander, dass er in Panik gerät, und Todesangst signalisiert. Irgendwann, früher oder später, lernt der kleine Mensch die falsche Programmierung zu erdulden, und gibt sogar seinen Protest auf. Sein Geist ist vorerst einmal gebrochen.

Eltern, Lehrer und Lehrmeister der Religion versuchen nun dem Neuankömmling ihre Weltordnung einzubläuen. Aber der Geist wehrt sich immer wieder gegen diese falsche Programmierung, und der neue Weltbürger wird zum aufsässigen Rebellen.

Da er sich aber auch noch nicht richtig ausdrücken kann, da er ja noch nicht wissen kann was hier eigentlich gespielt wird, erscheint sein Benehmen seltsam. Da er selten jemand findet, der sich die Zeit nimmt ihm seine Fragen zu beantworten, verbündet er sich mit seinesgleichen. Jugendliche wie er, die erfahren haben das sie belogen und betrogen werden, wo immer es notwendig erscheint, nur damit sie sich an das System anpassen. Wer mit Klapperstorch, Zahn Fee, Weihnachtsmann und Osterhase, über Micky Maus, Vampire, Handy, Ipod und soziale Netzwerke aufwächst, ist so gut wie geistig vergiftet.

„Are we human or are we denser“ – Sind wir Menschen oder sind wir Marionetten?

Song von Human

Aber nur wenige begeben sich wirklich auf die Suche die Wahrheit zu finden. Viele rebellieren gegen jeden und alles, andere suchen die Wahrheit über den bequemen Weg der Drogen, oder ergeben sich ihrem Schicksal und treiben es mit dem Konsumluxus. Dabei reihen sie sich in die Masse ihrer Peiniger ein, um mit ihnen die nächsten Neuankömmlinge zu programmieren. Die wenigen aber, die sich auf die Suche nach der Wahrheit machen, sind wie Reisende, die fremde Länder auf eigene Faust erkunden. Nicht wie Pauschaltouristen „all inclusive“, sondern mit all der Mühsal und der Ablehnung all derer, die als bequeme Zeitgenossen ihr Dasein fristen. Und so dauert es auch nicht lange bis auch sie aufgeben, oder unter die Räuber fallen, meistens in Form eines selbsternannten Gurus. Gurus nenne ich sie, weil die ersten Hippies, die nach Indien zogen, auf sie gestoßen sind, und teilweise ihre Anhänger wurden.

Aber der Begriff Schamane, Wunderheiler, Sektenführer, Drogendealer oder Hütchenspieler würde auch passen.

Hier eröffnet sich für die Suchenden mit einem Schlag eine neue großartige Welt, voller Magie und Wissen und Wahrheit, und neuen Lügen und gequirlter Scheiße. Hat man erst einmal angefangen davon zu naschen ist es fast unmöglich davon wieder frei zu kommen. Es besteht nun auch kaum noch ein Unterschied, ob du den perfekt ausgearbeiteten Lügen des Systems, oder eine der großen Weltreligionen, oder dem kranken Hirn eines Gurus ausgeliefert bist. Wichtig ist nur das du auch daran glaubst.

Natürlich gibt es auch ehrliche Lehrer und Gurus die selbst auf der Suche sind. Aber diese werden dann auch zugeben, dass sie die Wahrheit noch nicht kennen. Und so kommen wir wieder einmal an den Punkt. Wenn da niemand ist der die Wahrheit kennt, die Geschichtsbücher mit ihren ganzen Philosophen beweisen es, so muss ich nicht mehr im Kreis laufen und noch mehr Scheißhaufen zertrampeln. Ich werde die Wahrheit dort nicht finden.

Aber wo dann? Tief in unserm Inneresten schlummert immer noch die komplette Blaupause der wahren Weltordnung. Was wäre das für ein Architekt und Masterplaner, wenn er uns nun diesen Plan mitgibt und wir ihn nicht lesen könnten. Dabei ist das Ganze so einfach. Wir brauchen uns nur selbst zu akzeptieren als unseren eigenen Guru.

Gut, wir kennen uns in und auswendig, wir sind ja auch der Einzige der auf sich aufpasst, sich füttert, kleidet und mit Spaß versorgt. Und wir wissen, dass wir Niemanden trauen können. Und so nehmen wir all zu oft auch den Rat eines Menschen, der es gut mit uns meint, nicht an. Meistens aus Angst wieder einmal auf eine Lüge hereinzufallen, oder weil unser Ego so toll vorprogrammiert wurde das wir lernresistent geworden sind. Was sollen wir dann nun beobachten, wo wir doch bereits alles über uns wissen? Ganz einfach, Gewohnheiten. Gewohnheiten sind die Dinge die man nicht gleich hat, ja von denen man voller Abscheu gesagt hatte, so werde ich nie. Und Gewohnheiten sind auch der Teile des Lebens an den man sich gewöhnt hat, und den man nicht mehr sieht. Gewohnheiten reichen von gut bis schlecht, und jeder möchte die Guten behalten und die Schlechten loswerden.

Aber gerade die schlechten Gewohnheiten in dir sind es, mit denen du perfekt kontrolliert wirst, und so sagt die Programmierung: „Komm, so schlecht ist deine Gewohnheit gar nicht, es gibt schlimmeres, behalte sie.“ Andere sehen diese Gewohnheiten auch an dir, aber wer würde dich darauf hinweisen ohne sich mit deinem Ego anzulegen, und auf wen würdest du hören. Wenn du aber selbst als dein eigener Lehrmeister einmal dich und all deine Gewohnheiten betrachtest, was siehst du. Bist du das wie du immer sein wolltest. In seinem Leben muss man viele Entscheidungen treffen, die meisten irrelevant, andere umso gravierender. Und obwohl es keine falsche Entscheidung gibt, denn zu dem Zeitpunkt als du sie getroffen hast war sie ja für dich total richtig, würde man doch im Nachhinein einiges ganz anders machen.

Und da fällt dir auch gleich ein das du gewarnt wurdest, von den Eltern, von einem Freund, von jemand der es gut mit dir meinte. Doch hast du es angenommen? Nein, denn das Ego hatte wieder einmal Hochkonjunktur. Doch nun ist der Zug abgefahren, der Fall ist abgeschlossen, und wenn du dich anders entschieden hättest wüstest du gar nicht ob diese andere Entscheidung letztlich nicht noch fataler ausgegangen wäre. Es sind ja auch nicht die getroffenen Entscheidungen die uns zu den alten Gewohnheiten führen, sondern die nicht getroffenen oder nur immer wieder aufgeschobenen Entscheidungen.

„Morgen, ja Morgen fange ich ein neues Leben an“

Erste Allgemeine Verunsicherung

Also sei einmal dein eigener Guru, der einfach nüchtern und ohne anzuklagen den ganzen Scherbenhaufen deines Lebens unter die Lupe nimmt. Der Bestand aufnimmt, was alles geändert werden muss, um so zu werden wie es hätte sein sollen, wenn diese Gewohnheiten nicht Einzug gehalten hätten. Und dann stell dir vor wie es in sagen wir mal zehn Jahren aussehen würde, wenn du heute keine Entscheidung treffen würdest.

Ein Beispiel: Die Entscheidung mit dem Rauchen aufzuhören. Du weist das du jederzeit aufhören könntest. Aber warum gerade heute, wo gerade heute alles so stressig war. Morgen passte es besser, und außerdem was soll ich denn mit einer halben Schachtel Zigaretten, wäre doch zu schade. Doch Morgen gibt es wieder neue Gründe das Ganze zu verschieben, so wie seit Jahren schon. Doch der klar denkende Guru in dir sieht eine düstere Zukunft. Denn wenn du nicht jetzt endlich aufhörst warten auf dich schlimmstenfalls Krebs, und Krankenhaus, oder gar Beinamputation. Auf jeden Fall aber Schmerz und Leid, unreine Haut und schlechter Atem. Und das alles auch noch finanziert, von dir selbst, indem du jeden Tag deine Euroscheine hinblätterst, wo du doch sonst so sparsam bist, und dir jeden Kauf dreimal überlegst.

Und was den klardenkenden Guru am meisten erschüttert ist, dass er es ja selbst ist der da betroffen ist.

Auch wenn Tabak heutzutage mit einer Vielzahl von Gesundheitsrisiken (u. a. auch Krebs und Herzkreislauf-Erkrankungen) in Verbindung gebracht wird, wurde diese Pflanze seit Jahrtausenden sowohl für medizinische als auch rituelle Zwecke genutzt. Erst in den letzten Jahrzehnten begann die Verteufelung der Tabakpflanze und sie wurde als schädlich gelstempelt. Man stelle sich vor, bis in die 50er Jahre waren es sogar noch Mediziner, die Tabak beworben haben.

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