7.36   Die verpasste Gelegenheit

Ein Mensch, in diesem Fall ein Mann, erleidet Schiffbruch und überlebt als Einziger. Er rettet sich auf eine unbewohnte Insel. Die ist aber groß genug um ihm ein Überleben zu ermöglichen. Der Mann hatte viele Pläne für sein zukünftiges Leben, und das er hier nun feststeckt passt ihm überhaupt nicht. Er will hier weg, und das so schnell wie möglich.

Er sucht den Horizont ab, immer in der Hoffnung ein Schiff zu entdecken. Er sammelt Holz um ein Signalfeuer zu entflammen falls das Schiff zu weit weg ist um ihn zu sehen. Ja er erklimmt sogar den einzigen Berg und hält dort Ausschau für Stunden, und das jeden Tag.

Aber der Hunger treibt ihn dazu nach etwas Essbaren zu suchen, und dann ist da noch das Problem, dass er keine Behausung hat. Auch wäre es ratsam sich etwas Kleidung aus dem alten Segel zu schneidern, obwohl er anfangs noch geplant hatte mit dem leckgeschlagenen Boot die Insel wieder zu verlassen, die er damals nur mit Mühe erreicht hatte. Und dann waren da noch die Geräusche in der Nacht, also ein Zaun musste um seine notdürftig konstruierte Hütte gezogen werden, und ein paar Essens und Wasservorräte wären auch nicht schlecht.

Je mehr er der Notwendigkeit seiner Arbeit nachging, umso kürzer wurden die Zeiten in denen er Ausschau hielt ob nicht bald endlich Errettung nahte. Die Regenzeit nahte und seine Vorräte gingen zur Neige. Er sammelte Holz und plante sobald der Regen vorbei war zu sähen was noch an Restgetreide in dem kleinen Vorratssack war den er im Boot gefunden hatte. Nach Rettung Ausschau zu halten, die Zeit hatte er schon lange nicht mehr.

Das Signalfeuer war geplündert, er wollte es ja sowieso gegen ein viel Größeres austauschen, irgendwann. Das Boot wurde nie repariert und faulte am Strand wo er es damals mühselig hochgezogen und vertäut hatte. Mit der Zeit verblasste langsam die Erinnerung an sein altes Leben.

Natürlich fühlte er sich sehr einsam, und anfangs hatte er auch oft geweint. Doch mit der Zeit ließ auch das nach, und er wurde langsam sonderbar. Nicht das es Irgendjemand gestört hätte wie er den ganzen Tag schlechtgelaunt seiner selbstgemachten Arbeit nachging, er war ja schließlich alleine und konnte tun und lassen was er wollte. Aber glücklich machte ihn das nicht, und so fluchte er bei jeder Gelegenheit in der etwas nicht so klappte wie er es wollte. Ausschau halten hielt er für reine Zeitverschwendung und so hatte er sich seinem Schicksal ergeben.

Es war kurze Zeit vor der Ernte, und es würde eine gute Ernte werden, dafür hatte er sehr hart gearbeitet. Es war also kurz vor der Ernte, da kamen Sie. Es waren Seeleute aus seiner Heimat und sie hatten jenseits der Insel angelegt. Er hörte ihre Stimmen und geriet in Panik, gerade noch rechtzeitig konnte er sich verstecken. Sie sollen weggehen, dachte er immer wieder, sie sind nur hier um ihm seine Ernte zu stehlen. Als sie ihn schließlich entdeckten, konnte er vor lauter Misstrauen gar nicht ihre Fragen beantworten. Eine Einladung zu einem richtigen Mittagessen und neue Kleidung sorgten dafür, dass er sich langsam beruhigte. Man kam um nach ihm zu sehen, weil vorbeifahrende Seeleute gesehen hatten, dass die Insel bewohnt war, und boten ihm an ihn in seine Heimat zu bringen. Wann denn? Möglichst bald, man müsse ja weiter. Das geht jetzt nicht, die Ernte müsse noch eingebracht werden, und das Haus brauche ein neues Dach, und vielen Dank für die neue Kleidung.

Ohne Ihn legte das Schiff am nächsten Tag ab, als Ihm seine Situation Bewusst wurde. Es war die verpasste Gelegenheit, die nie wiederkehren würde. Er starb noch in dieser Nacht an einem gebrochenem Herzen.

 

 

 

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